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Aus Wir + Ihr wird Wir

Vor etwas mehr als einer Woche fand das SummerAcademy Special statt: Das Vorbereitungsteam durfte bereits über Zoom die Dozierenden persönlich kennenlernen. Es war ein kurzweiliges, spannendes und vor allem gemeinschaftliches Wochenende. Im Zentrum stand die Frage: Wer sind wir? Auf kreative Art und Weise lernten wir uns gegenseitig kennen, fanden Antworten auf brennende Fragen und fanden so zu einem grossen Wir zusammen.

Die Vorfreude auf die SummerAcademy steigerte sich bei allen Teilnehmenden denn uns wurde klar: Das wird eine super Veranstaltung mit viel Raum für Gemeinschaft und Austausch. Das einzige Problem scheint zu sein, dass man sich für ein Praxisfeld entscheiden muss und nicht gleichzeitig überall teilnehmen kann.
Lass dir die Gelegenheit nicht entgehen, in Gemeinschaft etwas Neues zu entdecken und melde dich an!

Wer will, dass die Welt so bleibt wie sie ist, will nicht, dass sie bleibt. – Erich Fried

Das Vorbereitungswochenende am 30./31. Januar in Deutschland wäre sicher schön gewesen, wenn
nicht… Davon liessen wir uns jedoch nicht entmutigen und trafen uns stattdessen zwei Tage lang
über Zoom. Dabei durften wir spüren: Wenn die Gemeinschaft stark ist, kann es auch virtuell zu
echten Begegnungen, lustigen Momenten und einem spürbaren Miteinander kommen.
Neben spannenden Inputs zum Thema „Leadership – zwischen Vertrauen und Verantwortung“, bei
welchen es unter anderem auch zu interessanten Rollenspielen kam (ja, das ist tatsächlich online
möglich) und allgemeinen Arbeiten in unseren Vorbereitungsteams stand vor allem eine Frage im
Vordergrund: Wollen wir die SummerAcademy im Sommer 2021 durchführen?
Die Antwort war klar: Ja, wir halten an diesem Ziel fest, die SummerAcademy im Sommer 2021 in
Baar vor Ort durchzuführen. Sind wir zu optimistisch? Keine Angst, wir denken aktiv darüber nach,
welche weiteren Möglichkeiten es gäbe, sie mit Einschränkungen durchführen zu können. Ganz nach
unserem Motto „Learning4unity“ möchten wir in diesem Prozess aber auch unsere Dozierenden
miteinbeziehen. Daher wird die finale Entscheidung der Form erst im Juni gefällt werden.
Bist du dir jetzt nicht mehr sicher, ob du dich da anmelden sollst oder nicht? Unser Tipp: Ja! Denn es
wird auf jeden Fall eine wertvolle Woche werden. Falls wir sie trotz allem dennoch absagen müssten,
erhalten alle Teilnehmenden ihren einbezahlten Teilnahmebetrag zurückerstattet. Du kannst also nur
gewinnen!

Wie Alles Begann…

Annemarie Imhasly engagiert sich seit der ersten Stunde für das Projekt “SummerAcademy”! Sie erinnert sich, wie 2015  diese etwas verrückte Idee entstand.

Voraus gingen ein paar halb hingeworfene Sätze von jungen Leuten, wie: „ Eigentlich schade, dass wir wenig bis keine Möglichkeiten haben, mit Erwachsenen, die schon länger im Berufsleben stehen, echt ins Gespräch zu kommen; zu wissen, was sie fachlich und persönlich geprägt, verändert, enttäuscht, aufgebaut hat, wäre echt cool…“
Interessanterweise hörte ich ungefähr zur selben Zeit genau auch „jene“ Erwachsenen Ähnliches sagen: „ … wer weiss, was unsere Jungen heutzutage beschäftigt, woran sie leiden, worüber sie sich freuen, welche Hoffnungen sie nähren  und welche Ziele sie sich stecken. Leider habe ich sozusagen keine Berührungspunkte mit Jungen, ein echter Dialog mit jemandem liegt Jahre zurück.“ 

Diese beiden Aussagen haben mich erreicht, begleitet, beunruhigt, aufgewühlt… bis ich kurz darauf bei einem internationalen Meeting in der Mensa in der Warteschlange stand. Ich drehe mich um und beginne mit jemandem hinter mir spontan zu plaudern: Johannes Vetter – mit ihm entspinnt sich beim Essen ein intensives Gespräch. Auch er ist dieser „Dialog-Sehnsucht“ der verschiedenen Generationen begegnet.
Kurzum, wir verstehen uns – für mich ist diese Begegnung nicht zufällig – und beginnen bald erste konkrete Ideen zu sammeln: es gab in der Fokolar-Bewegung schon einmal einen Vorläufer eines Hochschulinstituts, die „ISC – l’istituto superiore di cultura“; daraus entwickelte sich das aktuelle Hochschulinstitut Sophia in Loppiano bei Florenz. Wie können wir sowas angehen? Wäre das eine Plattform echten Dialogs für unsere Jungen, wie sie es sich wünschen?

Wir knüpfen rechts und links Beziehungen, planen einen Besuch in Loppiano mit der verrückten Idee, dann hier in Nord-Europa eine Sophia-Nord zu gründen; wir suchen eine Uni in der Schweiz, die mit uns ein Projekt startet. Es öffnet sich eine Tür in der Uni Fribourg – es erwächst daraus ein dreitägiger Kongress mit dem Titel: „Konvergenzen, Differenzen und Perspektiven im christlich islamischen Dialog“ – eine interessante Tagung, nur: 

Johannes und ich sind uns im Nachhinein sehr einig: das kann’s für die Zukunft nicht sein, denn wo bleibt das Anliegen der jungen Leute?
Also zurück auf Start: Vielleicht nicht direkt zur Umsetzung einer Sophia Nord, sondern zu einer Form der ISC – d. h. einen Sommerkurs planen? 

Einmal mehr dient es uns, direkt mit den Jungen zu chatten: Habt ihr Interesse an so einem Projekt? Wenn ja, welche Themen sprechen euch an?
Die Antworten sind überraschend deutlich: „Ja, unbedingt und das sind unsere Fragen!“

Wir besprechen alles mit unseren Freunden in Deutschland und Österreich und erhalten grünes Licht: Der Startschuss zur ersten SummerAcademy ist gegeben! 

Die Grundideen dazu sind: 

  • Ganzheitliches Lernen
  • Gemeinsames Lernen
  • Beziehungsorientiertes Arbeiten, dialogische Prozesse zwischen Studierenden und Dozierenden
  • Interdisziplinäre Bildung, die weite Denkräume öffnet
  • Wissen und Weisheit suchen, finden, teilen
  • Gütergemeinschaft: materiell und intellektuell 
  • Konkret auf das diesjährige Thema: Perspektiven zur Entscheidungsfindung aufreissen, Fragen zulassen und offene Gesprächs-Vis-à-vis erleben;

Ein Geschenk vom Himmel ist auch die Zusage von einem Dozenten, professionellen Projektleiter und Unternehmens-Berater, Thomas Stuke, der für die tausend Ideen mit uns ein Gefäss und eine Struktur schafft. Dank ihm und seiner grosszügigen Hilfe wird nun alles konkreter, bekommt ein Gesicht, wird verständlicher – spiegelt immer mehr die Grundidee. Auch hier erfahre ich: seine Zusage ist kein Zufall, ist für mich auch Ausdruck der Liebe Gottes, die uns begleitet.

Wie dann alles so wunderbar am Werden ist, gibt’s eine für mich abrupte Bremse: Johannes Vetter steigt aus dem Projekt aus, da er auf der Drei-Länder-Ebene andere Aufgaben übernimmt. Das zu akzeptieren, kostet mich viel – ich weiss nicht, ob das Projekt noch Zukunft hat.

Ich stelle mir die akute Frage: und jetzt? Aufgeben? Möchte der liebe Gott das so?
Zum Glück sind bereits auch andere Leute im Projekt-Boot und so gibt’s nur eines: Miteinander verstehen, wer von den Jungen bereit ist, sich voll da rein zu geben und wer von den älteren Erwachsenen ist bereit, mit die Knochenarbeit zu übernehmen.

Es entsteht ein Kernteam mit zwei Studierenden, Etienne Freléchoz und Simone Jeannin, sowie einer jungen Sprachwissenschaftlerin, Maria Chiara Janner. Dabei bleiben auch Thomas Stuke als Projektleiter, Valter Muniz unser Medienprofi, der Theologe Fulvio Gamba  und ich als Vertretung der Fokolar-Bewegung. 

Das lebendige Engagement der 8 jungen Leute, die einsteigen, berührt mich.
So steht das Vorbereitungs-Team für die SummerAcademy 2019.

In mir ist eine lebendige Freude: die Entscheidung zur Durchführung der ersten SummerAcademy ist richtig. Mit der Freude kommtkommen die Kraft und die Kreativität zurück – dringend nötig, denn: die Arbeit beginnt jetzt! … und so tun wir die nächsten Schritte und dann die nächsten und die nächsten … und machen im September 2019 mit der ersten SummerAcademy eine geniale Erfahrung – die,  wie ein Stein, der ins Wasser geworfen wird, immer grössere Kreise zieht, sich wiederholen wird und in vielen Menschen Spuren hinterlässt.  

15.10.2020        Annemarie Imhasly

Leadership – zwischen führen und Raum geben

Foto: Mattias Nutt, mattiasnutt.ch

Wenn ich an Leadership denke, kommen mir unweigerlich meine Erfahrungen als Offizier der  Militärmusik in den Sinn. Nur spricht man dort nicht von Leadership, sondern von Führung. Ich habe  also mit meinem Offizierskameraden, einem Feldweibel und 10 Unteroffizieren 17 Wochen lang  einen Zug geführt. Das ist in meinem Fall eine gut besetzte Brass-Band (ein Orchester  ausschliesslich aus Blechbläsern und Perkussionisten) sowie ein Küchen- und ein  Betriebsdetachement – insgesamt ca 80 AdAs (Angehörige der Armee). Es wurde zur Erfahrung,  die mir den naiven Glauben zerschlug, alles, was ich wirklich wollte, könne ich mit Bravour schaffen.  Klar, wir haben die RS, die Rekrutenschule „geschafft“, aber es gab kein riesiges „Bravo“ am Schluss  – weder von meinen Vorgesetzten, noch von meinen Unterstellten. Und vorallem habe ich mich  selten wohl gefühlt in meiner Rolle. Daher frage ich mich, ist Leadership überhaupt etwas für mich?  Gab es im Militär Momente, wo ich dachte: „Dafür wurde ich Offizier“? 

Ja, die gab es. Einmal vor dem Mittagessen – die ganze Truppe ging gerade das Treppenhaus hoch,  – bemerkte ich, dass ein Unteroffizier einen ungewohnten Ausdruck in den Augen hatte und sich  zurückfallen liess. Ich blieb bei ihm und fragte, ob alles in Ordnung sei, worauf er in Tränen  ausbrach. Es war gerade alles zu viel. Lösen konnte ich die Schwierigkeiten nicht, aber ich konnte  zuhören, zulassen, einfach da sein. Später hat er sich bei mir bedankt. Ich antwortete, das sei mein  Job, genau dafür möchte ich da sein.  

Gegen Ende der RS waren wir einige Tage in St. Moritz in einer ZS (Zivilschutzanlage). An diesen  Abenden hatte das Kader grosse Mühe, beim Lilö (Lichterlöschen) die Nachtruhe durchzusetzen.  Einige Sdt (Soldaten) haben sich schlicht nicht an die Anweisungen ihrer Vorgesetzten gehalten  und damit diese an ihre Grenzen gebracht. Nach einem solchen schwierigen und anstrengenden  Lilö war ein Teil des Kaders draussen vor der Unterkunft und versuchte, etwas herunterzufahren.  Dabei tauchten grundlegende Fragen auf: Müssen wir wirklich so streng sein bei der Nachtruhe?  

Was wäre, wenn wir alles ein bisschen lockerer nehmen würden? Warum müssen gewisse Sdt sich  immer querstellen? Aber vorallem: Warum wird mir nicht gehorcht? Was mache ich falsch? Es wurde  ein sehr ehrlicher Moment, wo im Miteinander-Denken offene Feedbacks möglich wurden. Plötzlich  hatten auch ganz persönliche, teils schwierige Geschichten Platz.  

In diesen Momenten fühlte ich mich als Vorgesetzter gebraucht, sie gaben mir Sinn. Kann ich  solche Situationen aktiv suchen? Wohl kaum. Aber was immer geht, ist Raum geben. Als innere Grundhaltung, aber auch aktiv, in dem man Zeiten frei lässt, Gemeinschaft stärkt, Dialog fördert  und Druck wegnimmt, da wo die Leute sich selbst bereits genug Druck machen.  

Es gab also schöne Momente mit dem Kader, aber ich war ja Co-Vorgesetzter eines ganzen Zuges.  Und mit 80 Leuten kann man schwierig jedem Raum geben, für jeden da sein, mit allen Gespräche  auf Augenhöhre führen. Wichtig wird dann in meinen Augen die fachliche Kompetenz. Gute  Organisation, klare Kommunikation. Und vor dem Orchester: Eine spannnende, lehrreiche Probe.  Viel zu oft habe ich meine fachlichen Kompetenzen in den 17 Wochen hinterfragt! Teils begründet,  teils hatte ich zu hohe Ansprüche an mich selber. Was mir bleibt: In der Position des Vorgesetzten  gibt es Momente, wo man sich selbst die fachliche Kompetenz einfach mal zusprechen muss. Dort  beginnt es nämlich! Wenn ich nicht an mich glaube, wie viele von den 80 tun es dann?  

Trotz aller Unsicherheiten glaube ich, zumindest eine Kompetenz tatsächlich erworben zu haben:  Klare und kurze Kommunikation vor der Truppe. Deutlich und direkt, aber sachlich und wertfrei.  Im Militär ist man selten freiwillig. Man muss jeden Tag früh aufstehen, hat wenig Freizeit und wird  gezwungen, sich in hierarchische Strukturen einzuordnen. Es ist nur logisch, dass die Stimmung  und auch die Gesinnung gegenüber den Vorgesetzten nicht immer positiv ist. Auch in solchen 

Momenten, wo ich eine „negative-Energie“ spüre, kann ich gut kommunizieren. Die Demotivation  wird nicht plötzlich zur Motivation, aber ich kannn eine Abwärts-Spirale verhindern.  

Eine ganz andere Situation erlebte ich vor dem TdA (Tag der Angehörigen), an dem wir einen  Einblick in unseren RS-Alltag geben. Ich sollte mit dem halben Orchester den Fachdienst  (Orchesterproben, Übezeit und Musiktheorieunterricht) unterhaltend, attraktiv und möglichst auch  etwas witzig vorstellen. Wie, das war unserer Kreativität überlassen.  

Ich stand also vor den Soldaten und merkte: meine Kompetenz, trotz negativer Energie sauber zu  kommunizieren, nützt mir gerade gar nichts. In dieser Situation war ich angewiesen auf  Partizipation. Ich musste nicht Infos durchgeben, sondern die Leute zum Mitdenken anregen, sie  emotional abholen, wenn möglich sogar begeistern und ihr kreatives Potential freilegen. Ich war  angewiesen auf das Gegenüber, ich war angewiesen auf Beziehung und ich war komplett  überfordert. Sehr dankbar war ich deshalb einigen Sdt, die mitdachten und kreative Ideen  brachten, dank denen wir doch noch ein gutes Programm auf die Beine stellen konnten.  

Ich habe gemerkt: Gut kommunizieren zu können trotz negativer Energie, ist super, aber damit will  ich mein Leben nicht verbringen. Viel lieber möchte ich in einem Umfeld wirken, das kreativ  partizipierend Lösungen sucht. Denn dort heisst für mich Verantwortung in grossen Teilen Raum  geben, Gemeinschaft stärken, Dialog fördern.  

Ist Leadership jetzt etwas für mich? Kommt wohl auf das Wo und Wie an. Aber so oder so ist es ein  grosses Lernfeld.

Wir waren wieder fleissig!

Unter dem Motto «Wer andere führen will, muss zuerst sich selbst führen können»  versammelte sich Dein Vorbereitungsteam – erstmals vollzählig – im wunderschönen Innsbruck. Neben vielen Fortschritten in der Organisation, haben wir das Wochenende auch genützt, um thematisch in die Tiefe zu gehen. Unter fachkundiger Anleitung setzten wir uns mit dem Jahresthema „Leadership zwischen Vertrauen und Verantwortung“ auf einer persönlichen Ebene auseinander:

Welchen Arten von Leadership gibt es? In welchen Bereichen deines Lebens ist Leadership für dich relevant? Die Antworten veranschaulichten uns wie allumfassend und komplex die Thematik ist. Ergänzt durch einen Workshop im Bereich Moderation und Auftrittskompetenz, erlangten wir die notwendige praktische Basis, um durch die SummerAcademy 21 führen zu können.

Es war ein sehr spannendes und lehrreiches Wochenende, aus dem wir viele Erkenntnisse gewonnen haben. Und wir können mit immer mehr Gewissheit sagen: freu dich auf die SummerAcademy `21 – es wird eine Bereicherung für Dein Leben sein!