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Entscheiden

Täglich ist es notwendig, in den kleinen und grossen Situationen. Oft ist es unreflektiert, aus dem Bauch heraus, manchmal aber auch über Tage und Wochen vorbereitet. Es geht um das Entscheiden. Die Fähigkeit zu entscheiden ist von Kindesbeinen an notwendig, aber wir lernen sie eigentlich nicht. In der Schule und an der Universität habe ich dazu nichts gelernt. Dennoch wurde von mir als Arzt in der Klinik vom ersten Tag an erwartet, Entscheidungen zu treffen, am besten natürlich fehlerfreie. Im persönlichen Leben ist es nicht anders. Im Verlauf der Zeitlinie des Lebens wird es nicht weniger aber vielleicht etwas leichter. Neue Situationen und Momente, in denen es keine standardisierte Antwort gibt, kommen wohl das ganze Leben lang dazu.

In der Schule und an der Universität habe ich dazu nichts gelernt. Dennoch wurde von mir als Arzt in der Klinik vom ersten Tag an erwartet, Entscheidungen zu treffen, am besten natürlich fehlerfreie.

In meinem Leben habe ich viele Entscheidungen fällen müssen, einige erschlossen sich erst rückblickend als wichtig. Mittlerweile bin ich Psychiater, Psychotherapeut, Chefarzt, Weiterbilder und Teil der Leitung eines kleinen Krankenhauses. Aus zunächst ausschließlich medizinischen Entscheidungen wurden therapeutische, personelle und auch wirtschaftliche. Ethische Entscheidungen ergänzen die Liste, dazu kommt das, was zum privaten Leben gehört, Familie, Freunde, Glaube, Gesundheit und viele andere Menschen und Dinge.

Vieles hat sich somit geändert, einiges blieb gleich. Die Bewertung, welche Entscheidung schwer und welche leicht fällt, hat sich geändert. Das was Andere belastend finden fällt mir vielleicht leicht, dafür ist es in einer anderen Situation exakt das Gegenteil.

Die Frage, auf welcher Grundlage ich medizinisch-berufliche Entscheidungen fälle hat sich sicher verändert. Es gibt heute gute und besser zugängliche Entscheidungshilfen wie Leitlinien, wissenschaftliche Literatur und strukturierten Austausch mit Kollegen. Bei Führungsentscheidungen ist es anders, da helfen Kurse, Bücher und Erfahrung, es bleibt aber der Moment, in dem ich alleine entscheiden muss. Gleiches gilt für ethische und existenzielle Entscheidungen. Neben meinem Glauben und dem damit verbundenem Gott-Vertrauen helfen mir dabei Erfahrung und Austausch mit anderen Menschen sowie das, was auch Grundwerte genannt werden kann.

Bei Führungsentscheidungen ist es anders, da helfen Kurse, Bücher und Erfahrung, es bleibt aber der Moment, in dem ich alleine entscheiden muss. Gleiches gilt für ethische und existenzielle Entscheidungen.

Beim Vorbereitungstreffen zur SummerAcademy ging es auch um die Frage, was Menschen können müssen, deren Aufgabe es ist, Entscheidungen für die Gesellschaft von morgen zu fällen. Ein wichtiger, vielleicht sogar der wichtigste Aspekt beim Thema Entscheidungen. Eine Antwort kann ich nicht alleine geben, ich kann nur meinen Teil dazu beitragen. So bin ich  überzeugt, dass für gute gesellschaftliche Entscheidungen zunächst die gleichen Anforderungen erfüllt werden müssen, wie es für die kleinen und grossen Entscheidungen des beruflichen und privaten Lebens gilt. Je grösser und unübersichtlicher die Organisationseinheit wird für die ich eine Entscheidung fällen muss, desto wichtiger wird aber ein noch nicht genannter Aspekt: das Aufrechterhalten des Kontaktes zu den Menschen, um die es bei der Entscheidung geht. Obwohl diese Fähigkeit nicht erlernt werden muss ist es doch häufig schwer, sie anzuwenden.

Die Idee einer SummerAcademy für junge Menschen zum Thema „Entscheiden“ finde ich grossartig. Spontan dachte ich zunächst, wie froh ich gewesen wäre, wenn ich an so etwas als Student hätte teilnehmen können. Ich freue mich, mit verschiedensten Menschen aus der Sicht der Medizin und meines Fachgebietes über die Aspekte des Entscheidens nachzudenken. Ich bin dabei überzeugt, dass es Grundsätze gibt, die für alle Entscheidungen gelten. Hier unterscheidet sich Medizin nicht von Rechtsprechung und diese nicht von Situationen an anderen Arbeitsorten. Ich freue mich über den lebendigen Austausch und bin mir sicher, dass alle Teilnehmenden gewinnen, nicht zuletzt auch ich als Referent.

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Stefan Scholand – 
Psychiater und Psychotherapeut. Er hat in Krankenhäusern, in eigener Praxis und in der Pharmaindustrie gearbeitet. Über mehrere Jahre war er im Psychiatriezentrum Oberwallis in Brig beschäftigt, zuletzt als Klinikleiter. Seit Ende 2017 leitet er die psychiatrisch-psychosomatische Clemens-August-Klinik nördlich von Osnabrück.

Ein Brief an meinen Freund „Entscheidung“

Hallihallo lieber Freund, 

Letztens musste ich wieder einmal an dich denken. Ich habe mich gefragt, wie lange wir uns schon kennen! Wenn ich ehrlich bin, weiss ich es nicht so genau. Ich habe keine prägnante Begegnung vor Augen, die unseren Freundschaftsbeginn markiert. Nein, vielmehr war es ein unterbewusstes Begegnen. Dich bewusst wahrzunehmen habe ich erst gelernt, als ich anfing meine eigenen Gedanken zu entwickeln. Krass, das ist eine echt lange Zeit – könnte dich schon fast Bruder nennen!

Ehrlich gesagt ist es nicht immer einfach, dich in meinem Umfeld zu haben. In deiner Gegenwart habe ich manchmal stark das Gefühl, unter Druck zu stehen. 

Ja ich weiss, es hört sich doof an und ist es eigentlich auch. Du bist nämlich derjenige, der mir die Freiheit zur Selbstbestimmung schenkt. Daran haben mich in den letzten Tagen die Worte von Hans Ulrich Bänzinger erinnert: «Freiheit ist Zwang zur Entscheidung.»

Der Mann hat so Recht gehabt! Mit seinen fünf Worten hat er das Spiel des Lebens ganz einfach erklärt und gezeigt, welches Privileg wir haben, diese Freiheit komplett (aus-)leben zu können. 

Danke, dass du mir die Möglichkeit gibst, in meinem Denken und Handeln völlig frei zu sein. Du bist mir ein wahrer und treuer Freund – vielen Dank dafür!

Liebe Grüsse, dein Freund

G.W

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Gabriel Wyss, Zürich: ein junger Augenoptiker, der das Leben liebt und sich immer wieder neu von dessen Schönheit erfreuen lässt.

Die Zeit der Gemeinsamkeit ist angebrochen

Am 3. März kamen die Dozierenden der SummerAcademy 2019 aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nach Baar, um sich mit dem gesamten Vorbereitungsteam zu treffen.

Es war nicht nur ein Vorgeschmack der SummerAcademy, sondern gleichzeitig der offizielle Auftakt einer Lernerfahrung der anderen Art.
“Die Zeit der Gemeinsamkeit ist angebrochen”, so Franz Wezel während der Podiumsdiskussion. Die gelebten Beziehungen unter allen bildeten eine Plattform, wo man offen über Fragen und Vorschläge, Zweifel und Erkenntnisse zum Thema Entscheidungen diskutieren konnte. Freudig wollen Dozierende und vorbereitende Jugendliche nun diese Gemeinschaft weiter aufbauen.