Die Idee


Während fünf Tagen teilen Studierende und Dozierende Leben, Denken und Forschen, im Dialog miteinander. Gemeinsam gehen wir über die disziplinären Grenzen. Somit bietet die SummerAcademy Raum für authentischen Dialog auf allen Ebenen. Dich erwartet eine abwechslungsreiche Woche mit Plenumsdiskussionen, Austausch in Gruppen, Inputs und vieles mehr. Bringe Deine persönlichen Fragen ein, teile Alltag, Reflexionen und Einsichten mit einer Lebens- und Forschungsgemeinschaft der anderen Art. Werde Teil einer einzigartigen Erfahrung!


Wie alles begann… 

Annemarie Imhasly engagiert sich seit der ersten Stunde für das Projekt “SummerAcademy”! Sie erinnert sich, wie 2015  diese etwas verrückte Idee entstand.

Voraus gingen ein paar halb hingeworfene Sätze von jungen Leuten, wie: „ Eigentlich schade, dass wir wenig bis keine Möglichkeiten haben, mit Erwachsenen, die schon länger im Berufsleben stehen, echt ins Gespräch zu kommen; zu wissen, was sie fachlich und persönlich geprägt, verändert, enttäuscht, aufgebaut hat, wäre echt cool…“
Interessanterweise hörte ich ungefähr zur selben Zeit genau auch „jene“ Erwachsenen Ähnliches sagen: „ … wer weiss, was unsere Jungen heutzutage beschäftigt, woran sie leiden, worüber sie sich freuen, welche Hoffnungen sie nähren  und welche Ziele sie sich stecken. Leider habe ich sozusagen keine Berührungspunkte mit Jungen, ein echter Dialog mit jemandem liegt Jahre zurück.“ 

Diese beiden Aussagen haben mich erreicht, begleitet, beunruhigt, aufgewühlt… bis ich kurz darauf bei einem internationalen Meeting in der Mensa in der Warteschlange stand. Ich drehe mich um und beginne mit jemandem hinter mir spontan zu plaudern: Johannes Vetter – mit ihm entspinnt sich beim Essen ein intensives Gespräch. Auch er ist dieser „Dialog-Sehnsucht“ der verschiedenen Generationen begegnet.
Kurzum, wir verstehen uns – für mich ist diese Begegnung nicht zufällig – und beginnen bald erste konkrete Ideen zu sammeln: es gab in der Fokolar-Bewegung schon einmal einen Vorläufer eines Hochschulinstituts, die „ISC – l’istituto superiore di cultura“; daraus entwickelte sich das aktuelle Hochschulinstitut Sophia in Loppiano bei Florenz. Wie können wir sowas angehen? Wäre das eine Plattform echten Dialogs für unsere Jungen, wie sie es sich wünschen?

Wir knüpfen rechts und links Beziehungen, planen einen Besuch in Loppiano mit der verrückten Idee, dann hier in Nord-Europa eine Sophia-Nord zu gründen; wir suchen eine Uni in der Schweiz, die mit uns ein Projekt startet. Es öffnet sich eine Tür in der Uni Fribourg – es erwächst daraus ein dreitägiger Kongress mit dem Titel: „Konvergenzen, Differenzen und Perspektiven im christlich islamischen Dialog“ – eine interessante Tagung, nur: 

Johannes und ich sind uns im Nachhinein sehr einig: das kann’s für die Zukunft nicht sein, denn wo bleibt das Anliegen der jungen Leute?
Also zurück auf Start: Vielleicht nicht direkt zur Umsetzung einer Sophia Nord, sondern zu einer Form der ISC – d. h. einen Sommerkurs planen? 

Einmal mehr dient es uns, direkt mit den Jungen zu chatten: Habt ihr Interesse an so einem Projekt? Wenn ja, welche Themen sprechen euch an?
Die Antworten sind überraschend deutlich: „Ja, unbedingt und das sind unsere Fragen!“

Wir besprechen alles mit unseren Freunden in Deutschland und Österreich und erhalten grünes Licht: Der Startschuss zur ersten SummerAcademy ist gegeben! 

Die Grundideen dazu sind: 

  • Ganzheitliches Lernen
  • Gemeinsames Lernen
  • Beziehungsorientiertes Arbeiten, dialogische Prozesse zwischen Studierenden und Dozierenden
  • Interdisziplinäre Bildung, die weite Denkräume öffnet
  • Wissen und Weisheit suchen, finden, teilen
  • Gütergemeinschaft: materiell und intellektuell 
  • Konkret auf das diesjährige Thema: Perspektiven zur Entscheidungsfindung aufreissen, Fragen zulassen und offene Gesprächs-Vis-à-vis erleben;

Ein Geschenk vom Himmel ist auch die Zusage von einem Dozenten, professionellen Projektleiter und Unternehmens-Berater, Thomas Stuke, der für die tausend Ideen mit uns ein Gefäss und eine Struktur schafft. Dank ihm und seiner grosszügigen Hilfe wird nun alles konkreter, bekommt ein Gesicht, wird verständlicher – spiegelt immer mehr die Grundidee. Auch hier erfahre ich: seine Zusage ist kein Zufall, ist für mich auch Ausdruck der Liebe Gottes, die uns begleitet.

Wie dann alles so wunderbar am Werden ist, gibt’s eine für mich abrupte Bremse: Johannes Vetter steigt aus dem Projekt aus, da er auf der Drei-Länder-Ebene andere Aufgaben übernimmt. Das zu akzeptieren, kostet mich viel – ich weiss nicht, ob das Projekt noch Zukunft hat.

Ich stelle mir die akute Frage: und jetzt? Aufgeben? Möchte der liebe Gott das so?
Zum Glück sind bereits auch andere Leute im Projekt-Boot und so gibt’s nur eines: Miteinander verstehen, wer von den Jungen bereit ist, sich voll da rein zu geben und wer von den älteren Erwachsenen ist bereit, mit die Knochenarbeit zu übernehmen.

Es entsteht ein Kernteam mit zwei Studierenden, Etienne Freléchoz und Simone Jeannin, sowie einer jungen Sprachwissenschaftlerin, Maria Chiara Janner. Dabei bleiben auch Thomas Stuke als Projektleiter, Valter Muniz unser Medienprofi, der Theologe Fulvio Gamba  und ich als Vertretung der Fokolar-Bewegung. 

Das lebendige Engagement der 8 jungen Leute, die einsteigen, berührt mich.
So steht das Vorbereitungs-Team für die SummerAcademy 2019.

In mir ist eine lebendige Freude: die Entscheidung zur Durchführung der ersten SummerAcademy ist richtig. Mit der Freude kommtkommen die Kraft und die Kreativität zurück – dringend nötig, denn: die Arbeit beginnt jetzt! … und so tun wir die nächsten Schritte und dann die nächsten und die nächsten … und machen im September 2019 mit der ersten SummerAcademy eine geniale Erfahrung – die,  wie ein Stein, der ins Wasser geworfen wird, immer grössere Kreise zieht, sich wiederholen wird und in vielen Menschen Spuren hinterlässt.  

15.10.2020        Annemarie Imhasly